Grubenunglück Von der Heydt 1864 (Der Berggeist)

Ausschnitt aus einer Artikelserie in der Zeitung Der Berggeist: Zeitung für Berg-, Hüttenwesen u. Industrie, Band 9, 22. November 1864, S. 406[1]

Bochum, 16. November 1864 Unsere Gegenwart bietet leider eine auffallende Anhäufung trauriger Ereignisse und die Reihe derselben scheint immer noch nicht beendet zu sein, denn wir haben schon wieder von einem höchst bedauerlichen Falle zu berichten. Heute morgen nämlich, in aller Frühe, riss das eine Seil einer Arbeitsbühne in dem neuen Schachte der Zeche von der Heydt bei Herne, und es stürzte der Betriebsführer Steinbeck nebst sechs Arbeitern in den Schacht, der bis nahe unter der Bühne 30 Fusstief mit Wasser angefüllt war.

Steineck wurde von einem Mörtelkasten erfasst und bis zur Schachtsohle niedergedrückt; hier jedoch befreite er sich und kam als guter Schwimmer, durch das Gewirre von Menschen und Trümmern, bald wieder zur Oberfläche, wo er sich an den Brettern der am andern Seil noch schief dahangenden Bühne anklammerte. An seinen Fuss hatte sich der Maurer Sack angeklammert und mit unsäglicher Anstrengung gelang es ihm, auch den Letzteren über Wasser zu bringen, zwar sanken sie nochmals in die Tiefe, doch die Hülfe kam noch eben früh genug.
Der Fährhauer Friedrich Korff befand sich nämlich glücklicher Weise oben auf dem Schacht: beherzt und umsichtig warf er zunächst ein Tau in den Schacht und suchte den Hauer Friedhof an demselben herauf zu ziehen, welcher jedoch erschöpft zurücksank. Inzwischen war der Maschinist an die Fördermaschine geeilt und nun fuhr Korff im Kübel bis zum Wasserspiegel, wo er den Maurer Sack und den Friedhof, die schon dreimal untergesunken waren, ergreift und den Betriebsführer so weit unterstützte, dass er ans Land klettern konnte. Zwei Hauer, Höfer und Lesemann, stiegen gleichzeitig glücklich an der Bühne empor; noch fehlten die beiden Maurer Ueckelmann und Becker.
Diese Unglücklichen konnte man erst nach Stunden vermittelst Hacken aus dem Wasser ziehen. Der erstere derselben war, wie es sich herausstellte, mit dem Kopf zwischen die Sprossen einer Fahrt gerathen und so konnte ihm seine Schwimmkunst nichts nützen; der Arme hinterlässt eine Frau und 4 Kinder in Albaxen bei Höxter, aus welcher Gegend auch sein Todesgefährte stammt.
Bei der heutigen Untersuchung des Königl. Revierbeamten fand es sich, dass das zerrissene Seil ganz neu war und angeblich, wie auch anscheinend, aus Hanf angefertigt war. Die Stärke desselben betrug ursprünglich 1/4 Zoll, doch war es so lose und schlecht gedreht, dass es sich auf 1 Zoll Stärke zusammengezogen hatte. Der Riss war ganz scharf in der gut ausgeführten Befestigung an der Bühne erfolgt. Ein derartiges Seil soll über 14,000 T tragen können, und doch riss es hier schon bei einer Belastung von kaum 1500 T.


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