Grabsteinsprüche auf Herner Friedhöfen


Grabsteinsprüche auf Herner Friedhöfen

Wie überall üblich, so war es auch im alten Herne Brauch auf den Rückseiten der Grabsteine einen Bibelspruch einmeißeln zu lassen. Nur wenige dieser aufwendig gestalteten Grabdenkmäler haben die Zeiten überdauert und in Zeiten der Kolumbarien ist neben dem begränzten Platz eher eine persönliche Note gewünscht. eine neue Kultur der Erinnerungen.

Auf den alten Friedhöfen unserer Stadt finden wir noch so einige Grabdenkmäler mit Texten. Zum Teil als Denkmalgruppe wie im Behrenspark gewandelten ersten ev. Friedhof außerhalb des Dorfes, oder in einzelnen Bereichen am katholischen Friedhof an der Mont-Cenis-Straße.

Eine kleine Sammlung längst verschwundener Inschriften hat uns ein unbekannter Autor hinterlassen, den wir hier als Quelle nutzen und mit Genealogischen Daten ergänzen:

Kommst du einst zu meinem Grabe
Und zu meiner Asche nahe, 
So verweile du allda. 
Schreibe an des Grabesrand: 
Was Gott tut ist wohlgetan. 

Auf dem alten evgl. Friedhof an der Kirchhofstrasse trug der Gedenkstein, des im Alter von 56 Jahren, am 5. März 1892 verstorbenen Gottlieb Klusmeier die vorgenanntene Worte

Der Bergmann Gottlieb Friedrich Wilhelm Klusmeier wurde am 18. April 1836 in Diebrock (Herford) als Sohn der Eheleute Johann Friedrich Wilhelm Klusmeier und Anna Margarethe Elisabeth Petring geboren, heiratet am 15. November 1863 die 1841 geborene Anna Charlotte FRIEDERIKE Spieckermann, Tochter der Eheleute Diedrich Heinrich Wilhelm Spieckermann und Catharine Elisabeth Förster und starb am 5. März 1892[1] in Herne. seine Beisetzung erfolgte am 8. März 1892[2].
Als Kinder sind bekannt:

  1. Gottlieb Friedrich Wilhelm Klusmeier jun. * 26. Juni 1869, ~ 7. Jui 1869, † 9. Juli 1869;
  2. Heinrich Klusmeier * 19. Juni 1866, ~ 22. Juli 1866, † 14. September 1866;
  3. Lisette Elise Friederike Klusmeier, *24. April 1864, ~ 7. Mai 1864; oo 20 Nov 1884 St. Petri Herford Heinrich Gustav Adolph Feller;
  4. Wilhelm Klusmeier, * 19. Juni 1866, ~ 22. Juli 1866 † 12. Januar 1867
Wieviel hast du in stiller Ruh, 
Geduldet und getragen, 
Bis Gott dir schloss die Augen zu 
Und löste deine Plagen. 

Henriette Nettingsmeier, die als junge Mutter nur ein Alter von 31 Jahre erreichte und am 17. März 1897 scheiden musste und einer hartnäckigen Krankheit starb, widmete man den oberen Text:

Alwine Henriette geborene Stemmermann, * 22. Januar 1866, † 17. März 1897[3] ± 20. März 1897[4]. Sie starb an der Schwindsucht. Verheiratet war sie mit dem Wirt Carl Nettingmeier und hinterließ 3 Kinder.

Befiehl du deine Wege, 
Und was dein Herze kränkt. 
Der allertreusten Pflege, 
Des, der den Himmel lenkt.

Der Stein der Ehefrau Alwine Grünhoff die am 26. Februar 1896 im Alter von 40 Jahren starb, trug trostreiche Worte.

Alwine Große-Grollmann * 1. September 1856 † 26. Februar 1896[5] ± 29. Februar 1896[6]. Verheiratet mit dem Schuhmacher Heinrich Grünhoff. Sie stirbt an der Schwindsucht und hinterläßt 6 Kinder.

Heil Ihr, die schlaft den ewigen Schlummer, 
Oft betrübt in ihrem Lebenslauf. 
Fortgerissen von der Erde Kummer, 
Fuhr sie himmelan zum Vater auf. 

Dass der Tod eine Erlösung bringen kann, das meißelte der Steinmetz dem Gedenkstein der Frau Dorothea Juttcher, die 1890 im Alter von 43 Jahren starb:

Bemerkenswert ist hierbei, dass man damals die Eltern, noch in der dritten Person ansprach.

Du lieber Gott, den mir früh entriss 
Eines Unglücks unheilvolle Macht, 
In Liebe denk ich dein zu jeder Frist, 
Bis mit vereinter Ewigkeit uns Gott bedacht

Der Grubentod riss 1900 die Eheleute Stressig auseinander. Ihren Gatten Eduard, der als 30jahriger nicht mehr von der Schicht heimkehrte, schrieb die Witwe den vorherigen Spruch auf den Stein.

Gustav Eduard Stressig war am 25. September 1870 in Schwarzwaldau in Schlesien (Liegnitz) geboren und am 19. August 1900[7] in Herne verstorben. Seine Eltern waren Heinrich Stressig und Berta Rummler. Verheiratet war er mit Lisette Biermann.

Unter solchen schweren Gesteinsmassen 
Wie sie über meinem Kopfe wachsen, 
Musste sich mein jungen Leben lassen.

Eine klare Anklage gegen die damals hochkapitalistische Zeit, die Kinder in die Grube schickte, waren die Worte, die auf dem Stein des 14 Jahre alten Wilhelm Albracht standen, der 1899 auf Friedrich der Große 1/2 unter hereinbrechenden Gesteinsmassen geriet und dabei sein junges Leben ließ.

In der Blüte abgerissen, 
Eilst du früh dem Grabe zu. 
0, so nimm zum Sterbekissen 
Elterntränen mit zur Ruh. 

Auf dem alten Teil des Südfriedhofs birgt das erste Reihengrab den 1910 im Alter von 28 Jahren verstorbenen Shamrocker Hufschmied Bernhard Hoffmann. Die Eltern beklagten seinen Tod.

Was wir lieben ist geblieben, 
Bleibt in Ewigkeit. 
Grab Alex Beien

Auf dem Monument der Familie Alex Beien las man den oberen Spruch. Das Denkmal ist erhalten, vom Spruch aber keine Spur mehr.


Die Hand der Liebe deckt dich zu, 
Sanft sei dein Schlaf und süss die Ruh.

Trostreich sind zwei Zeilen auf dem Mal der Ehefrau Elisabeth Neuhaus, die 1908 als 48jährige starb:

Und Bricht einst der grosse Lohntag an, 
Und des Lebens Schicht ist verfahren, 
Dann schwingt sich der Geist aus der Tiefe hinan, 
Aus dem Dunkel der Schächte zum Klaren. 
Und die Knappschaft des Himmels nimmt ihn auf
Und empfängt ihn jauchzend Glückauf, Glückauf.

Verwittert war der Sandstein schon um 1960, unter dem ein Bergmann zur letzten Schicht gebettet wurde. Ganz schwach konnte man den Text noch entziffern.


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Anmerkungen

  1. www.landesarchiv-nrw.de
  2. Kirchenbuch der evgl. Gemeinde Herne Sterberegister Nr. 97/1892
  3. www.landesarchiv-nrw.de
  4. Kirchenbuch der evgl. Gemeinde Herne Sterberegister Nr. 72/1897
  5. www.landesarchiv-nrw.de
  6. Kirchenbuch der evgl. Gemeinde Herne Sterberegister Nr. 57/1896
  7. www.landesarchiv-nrw.de