Geschichte der Kirchengemeinde Börnig (Sczepan) V

Allgemeine Geschichte der Kirchengemeinde Börnig

Christianisierung und heimatkundliche Angaben

Teil 5

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5. Gründung und Aufbau der Evangelischen Kirchengemeinde Börnig

Die weitere Bevölkerungszunahme, gerade in den Randgebieten des Stadtkreises Herne, nach Errichtung neuer Wohnsiedlungen und neuer Straßenzüge, machte 1958 ein Selbständig werden der Gemeinde Börnig mit den Ortsteilen Börnig und Holthausen erforderlich. 1956 war schon in Sodingen ein dritter, neuer Pfarrbezirk errichtet worden, der bis zum Jahre 1961 mit Pfarrer Otfried Gerhardi aus Lübeck besetzt war. Schon seit Jahren ließ sich bei den Gemeindegliedern von Börnig und Holthausen das Trachten nach einer selbständigen Gemeinde feststellen. Der damalige Bezirkspfarrer Ferke hatte bereit 1927 damit begonnen, ein Gemeindeheim mit Schwesternstation, Kindergarten, Nähschule und Vereinsräumen in den Wirtschaftsgebäuden (Bansen und Stallungen) des ehemaligen adligen Gutes „Schadeburg" einzurichten. Der letzte Pächter war Bauer Gülker.

Für eine jährliche Anerkennungsgebühr von 30,00 RM konnten sämtliche Gebäude und eine große Wiese, zusammen rd. 8.000 qm, von der Gelsenkircher-Bergbau-AG gepachtet werden. Am 16.01.1927 wurde nach erfolgtem Umbau der ehemaligen Scheune die „Schadeburg" als Gemeindezentrum eingeweiht. Die erste Gemeindeschwester war Diakonisse Alwine Meier vom Mutterhaus Witten, die erste Kindergärtnerin und Hortnerin Fräulein Hilde Plettenberg, seit 1937 Pfarrfrau in der Gemeinde (Ehefrau von Pfarrer Ruwisch). Pfarrer Ferke sammelte Jugendkreise, schuf eine große Frauenhilfe. (Am 01.04.1926 betrug die Mitgliederzahl 394, die der Sterbekasse (auf Umlagebasis) 550 Mitglieder). Dazu kam ein Bürger- und Arbeiterverein, dem auch die Zechenbeamten angehörten. Während des 1. Weltkrieges (1914 - 1918) und in den Jahren der großen Erwerbslosigkeit in den 20er Jahren hat sich gerade die Frauenhilfe aktiv um die Behebung sozialer Notstände gemüht, z.B. durch Wöchnerinnenhilfe, Essenkochen für Kranke und Gebrechliche, Betreuen von Bedürftigen, Einrichtung einer Höhensonne und einer Nähschule. Außer den Frauenhilfestunden kamen auch die Alten der Gemeinde und die jungen Mütter jeden Monat in der Schadeburg zusammen. Gründungsjahr der Frauenhilfe: 1900, des Frauenchores, der heute noch besteht: 1921.

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges (1929 - 1945) begann Pfarrer Ruwisch ab 1. Advent 1939 mit regelmäßigen Frühgottesdiensten im großen Schadeburgsaal. Bei einem Luftangriff im Frühjahr 1943 erhielt die Schadeburg mehrere Treffer durch Brandbomben (Stabbomben). Merkwürdigerweise zündeten sie jedoch nur auf dem Hof, während sie im Gebäude nach Durchschlagung des Ziegeldaches und der Holzdecke als Blindgänger im Holzfußboden steckenblieben. Eine durchschlug sogar den hölzernen einfachen Altartisch. Außer einigen zerstörten Häusern blieb unsere Gemeinde vor größeren Bombenschäden bewahrt. Das war auch in Herne der Fall, so dass die Stadt nach Kriegsende die „goldene Stadt" genannt wurde. Vom 18.03.-09.09.1943 waren Bombengeschädigte aus dem Obdachlosenasyl, Weichselstraße 51, in der ganzen Schadeburg einquartiert. Die Vereinsarbeit musste so lange ruhen. Pfarrer Ruwisch kehrte am 13.02.1949 nach 6jähriger Abwesenheit (Feldzug in Russland und polnische Kriegsgefangenschaft) gesund wieder heim. Vertreten hatten ihn Pfarrer Franz Reich und Pfarrer Otto Pfeil.

Im Hinblick auf einen später zu errichtenden eisernen Glockenträger für die Notkirche „Schadeburg" waren schon 10.04.1948 zwei Gußstahlglocken vom Bochumer Verein geliefert worden. Am 28.04.1955 wurde bei demselben Werk die dritte und größte Glocke bestellt.

  • Die erste Glocke, 793 0, Ton d", 195 kg schwer, mit Zubehör + 96 kg = 291 kg, trägt die Inschrift: „O Land, Land, Land höre des Herrn Wort!" (Jeremia 22, 29).
  • Die zweite Glocke, 667 0, Ton f, 124 kg + 78 kg = 202 kg schwer, trägt die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe!" (Luk. 2, 14).
  • Die dritte Glocke, 820 0, Ton c", 200 kg + 120 kg = 320 kg schwer, trägt die Inschrift: „Gott gebe Euch viel Gnade und Frieden!" (1. Petr. 1,2).

Im Jahr 1949 wurde das Eisengerüst für den Glockenträger erstellt. Letzterer wurde 1955 mit einer Gesamthöhe von 17,5 m in der heutigen Form endgültig fertiggestellt, mit Klinkermauerwerk umzogen und der Spitzhelm mit Kupferplatten bedeckt. Das Tagesläuten am Morgen, Mittag und Abend geschieht automatisch. 1950 wurde die Schadeburg erweitert durch den Anbau besserer sanitärer Anlagen für den Kindergarten. Hierbei wurde im Obergeschoß ein neuer Jugendraum für den zahlenmäßig großen CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) gewonnen.

Aufsatz von Helmut Sczepan nach Aufzeichnungen von Pfarrer Hermann Ruwisch (verfasst in 1967, im Gedenkjahr an die Reformation Luthers vor 450 Jahren) Mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

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Quellen