Gerd Pieper

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Gerd Pieper (geboren 28. August 1943 in Eutin) ist ein deutscher Unternehmer.


Wolfgang Berke

Macht eigentlich alles falsch – und hat Erfolg damit!

Irgendwie macht Gerd Pieper alles falsch. Wenn man den jungen, dynamischen Marketingstrategen glaubt. Seine Parfümerie- und Kosmetikläden sind nicht einheitlich ausgestattet. Es gibt noch nicht mal eine einheitliche Farbe für den Firmenschriftzug. Piepers zumeist weibliche Angestellte sind deutlich älter als der übliche Durchschnitt. Sein Warensortiment ist von Stadt zu Stadt verschieden – das billigste ist es auch nicht. Und die Läden liegen nur in teuren 1A-Lagen.

Aber der Wanne-Eickeler Diplomkaufmann hat für alle „Fehlentscheidungen“ gute Gründe: So sollen sich die Geschäfte individuell ins jeweilige Stadtbild und Umfeld einfügen. Und seine Mitarbeiterinnen sollen das Altersprofil der Kundinnen widerspiegeln, die in den verschiedenen Städten auch unterschiedliche Ansprüche und Geldbeutel haben. Und selbst wenn es sich um Wanne-Eickel, Bottrop oder Duisburg handelt: Ein bisschen Exklusivität will man auch dort verbreiten, bitteschön. Und obwohl er alles „falsch“ macht, hat Pieper Erfolg: 100 Filialen seiner Parfümerien gibt es heute in Nordrhein-Westfalen. Mitbewerber Douglas bringt es hier gerade mal auf 45. Fast 1000 Mitarbeiter/innen sorgen dafür, dass Pieper einer der größten Steuerzahler unserer Stadt ist. Und: Gerd Pieper taugt als Leitfigur: Ob als Präsident der Industrie- und Handelskammer, als Vorstandsmitglied der DIHK, als Vizepräsident des Einzelhandelsverbandes NRW (auf die Nennung weiterer Ehrenämter sei hier verzichtet) oder als Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Angefangen hatte die Pieper-Geschichte ziemlich bescheiden. Gerhard Pieper gründete gemeinsam mit seiner Mutter Anna 1931 ein Seifengeschäft in Bochum und nannte es Seifen-Pieper. 1936 folgten Filialen in Recklinghausen und Wanne-Eickel. Weitere Expansionspläne wurden durch den Krieg gestoppt. Der dann auch noch das kleine Unternehmen so weit dezimierte, dass nur die Filiale in Wanne-Eickel übrig blieb. Die Piepers machten aus der Not eine Tugend und blieben in unserer Stadt. Und blieben auch mit dem Firmensitz in Wanne-Eickel, als sie in den 1950er Jahren mit neuen Filialen wieder die Stadtgrenzen überschritten. Die Expansion vollzog sich in eher kleinen Schritten, aber 1974 war man dann in allen unmittelbaren Nachbarstädten vertreten – und aus dem Geschäft für Seifen und Putzmittel war längst eine Parfümerie geworden. Als der Firmengründer Gerhard Pieper 1976 starb, waren es wieder Mutter und Sohn, die den Laden führten: Maria und Gerd Pieper, der heutige Inhaber des Unternehmens.

Wachstum nach innen war zunächst angesagt: Vergrößerung der Geschäftsräume, Verbesserung von Einrichtung und Ausstattung. Dann nahm sich Gerd Pieper die Nachbarstädte vor, der Kreis um Wanne-Eickel vergrößerte sich deutlich: 20 Städte des zentralen Ruhrgebiets wurden 1990 mit Parfüm, Kosmetik und Accessoires ab Zentrallager Wanne-Eickel beliefert. Dann gab Gerd Pieper Gas: In nur 15 Jahren eröffnete er 80 neue Pieper-Parfümerien, in den beiden letzten Expansionsjahren 2003/2004 musste er fast jeden Monat irgendwo eine kleine Eröffnungsansprache halten. Und wurde ganz nebenbei zum größten Privatunternehmer Deutschlands in Sachen Parfümerien.

So einer wie Gerd Pieper bürstet dann natürlich auch gerne gegen den Strich. War 13 Jahre lang ein CDU-Bürgermeister im roten Rathaus seiner Heimatstadt und übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat des BVB Dortmund zu einer Zeit, in der die Borussia ausnahmslos für negative Schlagzeilen sorgte. Aber so einer wie Gerd Pieper ist auch mehrheitsfähig. Fragen Sie mal seine Mitarbeiter/innen. Irgendwie muss es ja einen Grund dafür geben, dass sie viel länger bei Pieper bleiben als sonst im Einzelhandel üblich.




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors [1]
Der Text wurde für das Wiki redaktionell bearbeitet. Er stammt aus dem Jahr 2005

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Quellen

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