Friedrich Cremer (1836-1920)

Denkmalgeschützer Grabstein auf dem Südfriedhof

Friedrich Henrich Wilhelm Cremer (geboren 22. Januar 1836, getauft 11. Februar 1836, gestorben 24. Februar 1920, beigesetzt 28. Februar 1920 Südfriedhof) war ein bedeutendes Mitglied der Herner Gemeinde und ihrer Selbstverwaltung in den wilhelminischen Gründerjahren und der Jahrhundertwende.

Als Vorsteher der Landgemeinde von 1872 bis 1897 und Beigeordneter des Magistrats der jungen Stadt war er maßgeblich am Aufbau der Stadt beteiligt. Dafür sorgten nicht zuletzt seine langjährige Arbeit als Landtagsabgeordneter im Provinzial-Landtag für den Landkreis Bochum (zu dem Herne gehörte), als Mitglied des Bezirksausschusses bei der Bezirksregierung Arnsberg und Gutachter der Landgerichte Bochum, Dortmund und Essen sowie der Oberlandesgerichte Hamm und Düsseldorf. Er stiftete 1912 ein dekoratives Portrait Kaiser Wilhelm I. für den Stadtverordnetensaal des Herner Rathauses[1]

Die Grabstelle wird nicht mehr belegt. Erhalten ist der Grabstein, der seit 2000 unter Denkmalschutz steht.

Herner Anzeiger vom 26. Februar 1920

Zum Tode des Vorstehers a.D. Friedrich Cremer.

Anlässlich des gestern gemeldeten Hinscheidens unseres alten Vorstehers Friedrich Cremer, dessen Leben und ganze Tätigkeit so eng mit dem Werden und Wachstum unserer Stadt verbunden ist, geziemt es sich wohl, einen Rückblick auf die verdienstvolle kommunalpolitische Tätigkeit des Verblichenen zu werfen, die gleichzeitig ein gut Stück Herner Geschichte verkörpert.
Als Friedrich Cremer im Jahre 1836 das Licht der Welt erblickte, was Herne noch ein Ackerdorf von 900 Seelen, dessen Gehöfte weit verstreut lagen. Er war dabei, als die erste Provinzialstraße von Dorsten nach Elberfeld gelegt, als 1847 die erste Eisenbahn(Köln=Minden) gebaut wurde, als 1872 die Bergisch=Märkische und 1879 die Westfälische Bahn nach Dortmund entstand. 30 Jahre lang hat Friedrich Cremer die Geschäfte des letzten Gemeindevorstehers von Herne geführt, bis nach der Einführung der Städteordnung er als 61jähriger zum Beigeordneten der jungen, jetzt rasch aufstrebenden Stadt gewählt wurde. Wer hätte damals gedacht, dass er diesen neuen Posten noch 20 Jahre lang bekleiden würde! Dabei hatte er Gelegenheit in zahlreichen städt. Deputationen und Kommissionen seine Erfahrungen zu verwerten, und gleichzeitig als Mitglied des Bezirksausschusses und zweitweiliger Provinzial=Landtagsabgeordneter wertvolle, auch von „oben“ anerkannte Arbeit zu leisten. Eine Reihe hoher Auszeichnungen legten Zeugnis von der Wertschätzung dieser seiner vielseitigen Tätigkeit im Allgemeininteresse ab.
Auch im gewerblichen Leben unserer Stadt war er von einem gesunden Unternehmensgeist beseelt. Das Bürgerliche Brauhaus Herne, eines unserer steuerleistungsfähigsten Betriebe, verdankt ihm sein Entstehen. Wertvolle Arbeit leistete der Verstorbene auch dem hiesigen Haus und Grundbesitzerverein, dessen langjähriger Vorsitzender er war. Erst nachdem er die 80 überschritten und die neue Zeit mit all ihren Umwälzungen das gute Alte verdrängte, dachte er daran, endlich von der Arbeit auszuruhen und endgültig aus dem öffentlichen Leben auszuscheiden. Nun ist er im hohen Alter von 84 Jahren gestorben, und wenn jemals ein Leben köstlich war, weil es voll Mühe und Arbeit gewesen, so kann man dies mit vollem Recht von unserem alten Vorsteher Cremer sagen, dessen Andenken in seiner Vaterstadt unvergesslich bleiben wird. RIP

Herner Anzeige vom 1. März 1920

Die letzte Fahrt

Am Samstag Nachmittag fand die feierliche Beisetzung des verstorbenen Beigeordneten a.D. Friedrich Cremer zum kommunalen Friedhof an der Wiescherstraße statt. Wie zu erwarten war, war die Beteiligung der Bürgerschaft ungemein stark. Der Männerchor von 1869 war mit einer stattlichen Sängerzahl, die Sängervereinigung durch eine Fahnendeputation vertreten. der Beerdigung ging eine Trauerfeier im Sterbehause voraus. Äußerst zahlreich waren in dem Trauergefolge die städt. Körperschaften mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtverordneten=Vorsteher an der Spitze, sowie zahlreiche andere Behörden vertreten. Der Sängerchor gab den Beisetzungsfeierlichkeiten durch seine Trauergesänge ein besonders festliches Gepräge. Prachtvolle Kranzspenden wurden dem endlosen Trauerzuge teils vorangetragen teils in mehreren Wagen nachgeführt.

Auszeichnungen

  • Rote Adlerorden IV. Klasse
  • Kronenorden III Klasse
  • Ehrengrab der Stadt Herne auf dem Südfriedhof.

Genealogie

Vgl. Ortsfamilienbuch Herne

Johann Ludwig Cremer
oo
Anna Maria Catharina Vortmann
Friedrich Henrich Wilhelm Cremer (* 22. Januar 1836, ~ 11. Februar 1836, † 24. Februar 1920, ± 28. Februar 1920 Südfriedhof)
I ⚭ 22. Juni 1860 Herne
Caroline Lisette Ungewitter (* 5. Juli 1839, ~ 23. Juli 1839, † 1869-1874) E: Ludwig Ungewitter und Catharine Elisabeth Lackmann
Kinder
  1. Ludwig Krämer * 24. Februar 1861, ~ 27. März 1861.
  2. Ida Louise Krämer * 8. September 1862, ~ 10. Oktober 1862
  3. Krämer (Junge) * 7. März 1864, † 1864
  4. Krämer (Junge) * 6. Februar 1865, † 12. Februar 1865.
  5. Friedrich Krämer * 26. Februar 1867, ~ 28. März 1867
  6. Carl Krämer * 15. November 1869, ~ 22. Dezember 1869
II ⚭ 10. September 1874 in Herne (Haustrauung)
Alwine Sudkamp (* 16. Juli 1843 Horsthausen, † 15. Juli 1930) E: Georg Sudkamp und Elsa Catharina Jost
Kinder
  1. Ida Alwine Krämer * 23. Juni 1875, ~ 16. Juli 1875

Literatur

  • Häming, Josef (Bearb.): Die Abgeordneten des Westfalenparlaments, Nr. 0274, S. 232
  • Häming, Josef (Bearb.): Die Abgeordneten des Westfalenparlaments, Nr. 0274, S. 52

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Einzelnachweise