Eisenbahnunfall 1898

Vorarlberger Landes-Zeitung vom 26. Januar 1898 S. 4[1]

"(Eisenbahnunglück.) Aus Essen a. d. Ruhr wird unter dem 24. d. M. berichtet: Der Schnellzug Nr. 20 Hannover-Köln entgleiste auf dem Bahnhofe Herne. Hiebei wurden 4 Personen: Oberlehrer Steffen aus Bielefeld, Gasdirector Keilienfeld aus Wanne, Kaufmann Güthaus aus Gütersloh, Kaufmann Rosenberg aus Münster getödtet. 11 Personen' schwer, 15 leicht verletzt. Die Schwerverletzten wurden sofort in den Krankenhäusern von Herne untergebracht. Der Postwagen und 8 Personenwagen sind schwer beschädigt. Die Strecke Wanne-Dortmund war bis 3 Uhr gesperrt."

Der Deutsche Correspondent. Baltimor 26. January 1898, Seite 1[2]

"Opfer einer Zugentgleisung.

Die Zugentgleisung bei der Station Herne der Bergisch - Märkischen und Emscherthalbahn, über welche schon gestern berichtet wurde, hat ernstere Folgen gehabt, als die ersten telegraphischen Berichte von dort melden. Aus der Stelle getödtet oder in Folge der bei der Katastrophe erlittenen schweren Verletzungen bereits gestorben sind Oberlehrer Steven von Bielefeld, Gas-Direktor Lilienfeld von Wanne. Ludwig Mülder von Dortmund, und die Kaufleute Güth von Gütersloh und Rosenberg von Münster. Die Zahl der noch am Leben befindlichen Verletzten, die voraussichtlich auch die erlittenen Verwundungen und Verletzungen glücklich überstehen werden, beträgt 26 Personen."

Voralberger Volksblatt vom 29. Januar 1898 S. 3 [3]

"Ein großes Eisenbahnunglück passierte am Montag 24. Januar 1898 um 1/2 7 Uhr in der Früh auf der Station Herne durch Entgleisung des Schnellzuges Hannover-Cöln. Der erste Bericht lautet: 4 Personen getödiet, 11 Personen schwer und 15 leicht verletzt.

Die „Frkf. Ztg." bringt noch folgende Einzelnheiten: Etwa 500 Meter von der Station Herne entfernt entgleisten infolge eines Desectes an der Schienenanlage die Locomotive, der Packwagen und der Postwagen, die von dem ersten Geleise quer auf das dritte Geleise sprangen, das Geleise aufrissen und etwa 1000 Meter fortrasten. Der erste Personenwagen, der 1. und 2. Classe führte, wurde aus dem Geleise geschleudert und stürzte auf die Breitseite. Ebenso der zweite Personenwagen, der beim Umstürzen den nächsten Wagen fast vollständig demolierte.

Die Insassen der beiden ersten Wagen wurden theils getödtet, theils schwer verwundet. Einem Passagier, der mit Stricken aus dem umgestürzten Wagen gezogen wurde, waren der Kopf und beide Arme abgetrennt. Der Kopf eines anderen Reisenden war in der Mitte gespalten. Zwischen den Trümmern lagen die abgetrennten Körpertheile: eine Hand, die noch in einen, Handschuh steckte, sowie Arme und Leine. Als der aus acht Wagen bestehende Zug auseinanderriss, sprang ein Passagier aus dem Wagen heraus, ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. Zum Glück war der Zug nur mäßig besetzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die unter den Trümmern Begrabenen konnten nur mit äußerster Mühe aus ihrer schrecklichen Lage befreit werden. Von den in den Krankenhäusern untergebrachten Verletzten ist im Laufe des nachmittags einer gestorben, mehrere andere dürften schwerlich mit dem Leben davonkommen. Bei verschiedenen Verletzten musste zur Amputation geschritten werden. Die Aufregung über das Unglück ist ungeheuer."


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Quellen