Die Asthmabrücke

Eigentlich verdankte die Asthmabrücke ihre Entstehung der rücksichtslosen Expansionspolitik der Zeche Königsgrube in Röhlinghausen.

Wolfgang Berke

Südlich der Mühlenstraße, der heutigen Königsgruber Straße, förderte die Zeche seit 1860 Kohle aus den Schächten Ernestine und Louise. Dann erwarb sie nördlich der Mühlenstraße weiteres Land und baute den Schacht Gustav. Dazwischen lag immer noch die Mühlenstraße, von der sich die Gemeinde nicht trennen wollte. Also transportierte die Zechengesellschaft nun alles Mögliche auf ihr und über sie hinweg, vor allem die Kohle von Gustav. Wenn man die Straße schon nicht bekäme, sollte die Gemeinde sie doch bitteschön sperren.

Den Gefallen tat Röhlinghausen der Zeche zunächst nicht, zumal die Anwohner Sturm liefen, und, wenn sie es sich leisten konnten, mit der Königsgrube im Rechsstreit lagen. Allen voran Bauer Denis, der über zwei Jahre lang gegen die Zeche prozessierte. Derweil missachtete diese sämtliche Vorsichtsregeln und werkelte derart ungerührt quer über die Mühlenstraße, dass deren Passieren lebensgefährlich wurde.

Schließlich sperrte die Gemeinde die Straße, im Gegenzug verpflichtete sich die Zeche aber, zumindest für die Fußgänger eine Brücke zu bauen. Ab 1928 konnte man auf ihr die Zechenanlagen dann wieder gefahrlos ein paar Meter weiter nördlich überqueren. Ihren Namen bekam die Brücke von den Röhlinghausern, die beim Überqueren der ausgasenden Kohleberge kräftig ins Husten kamen. Trotzdem wurde die Asthmabrücke zum inoffiziellen Wahrzeichen Röhlinghausens.

Im Februar 1967 machte Königsgrube dicht, endlich konnte man tief durchatmen, wenn man über die Asthmabrücke stieg. Als man 1974 mit dem Abbruch der Zeche begann, war die Brücke eine Weile wegen Baufälligkeit gesperrt. Erstaunlicherweise wurde sie dann aber noch einmal repariert, bevor sie im September 1976 endgültig abgebrochen wurde.




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Quellen

Die Asthmabrücke