Chicago in Herne-Holthausen (Dortmunder Zeitung 5. Januar 1932)

Alte Zeitungen bieten uns noch heute kuriose, spannende, traurige und heitere Geschichten aus der Vergangenheit. Die Morgen-Ausgabe der Dortmunder Zeitung vom 5. Januar 1932 brachte auf Seite 10[1] die nachfolgende tödlich endende Räubergeschichte:



„Chicago" in Herne=Holthausen

Bewaffnete Räuber überfallen und berauben die Verwaltung von „Teutoburgia" / Einer von ihnen bedroht die Insassen eines Straßenbahnwagens und wird von einem Kriminal-Beamten erschossen / Sein Komplize ohne Beute entkommen

Herne Holthausen, 4. Jan.

Ein kaum glaubliches Räuberstückchen, das die Bevölkerung der hiesigen Gegend in verständliche Erregung versetzt hat, hat sich heute Mittag hier zugetragen.

Die Polizei teilt mit: Heute Mittag kurz nach 12 Uhr drang ein Mann, der eine schwarze Maske vor dem Gesicht trug, mit vorgehaltener Pistole in den Kassenraum des Verwaltungsgebäudes der Zeche „Teutoburgia“ ein und zwang den anwesenden Zechenbeamten, sich ruhig zu verhalten. Auf seinen Ruf: „Kamm, herein!“ erschien ein zweiter maskierter Mann, der mit hocherhobener Pistole den Beamten in Schuss hielt. Der erste Täter raubte darauf aus einem Schrank einen Geldbetrag von über 1200 Rm. Mit der Aufforderung, sich still zu verhalten und unter nochmaliger Bedrohung des Beamten verließen die Räuber daraufhin den Raum und ergriffen eiligst die Flucht. Der Zechenbeamte schlug sofort Lärm und benachrichtigte einige in der Nähe weilende Personen. Diese verfolgten die fliehenden Räuber. Einer der Täter sprang auf einen in Richtung Herne fahrenden Straßenbahnwagen der Linie B der Straßenbahn Castrop=Rauxel-Herne. Er eilte sofort durch das Innere des Wagens auf die vordere Plattform und forderte hier einen ihm bekannten Kriminalbeamten und die übrigen Fahrgäste unter Vorhaltung des Revolvers auf, sich ruhig zu verhalten. In diesem Augenblick verließ ein zweiter Kriminalbeamter, der sich glücklicherweise auch noch auf der vorderen Plattform befand und den der Räuber nicht kannte, den Wagen und eilte nach der hinteren Plattform. Hier traf er wieder mit dem inzwischen durch den Wagen zurückgelaufenen Räuber zusammen. Der Kriminalbeamte forderte mit dem Ruf: „Hände hoch! Kriminalpolizei!“ den Räuber mit vorgehaltener Pistole auf, sich zu ergeben. Der Räuber machte jedoch Anstalten, seine Waffe auf den Beamten zu richten. Hierzu kam er jedoch nicht mehr, sondern der Kriminalbeamte fackelte nicht länger und feuerte auf den Räuber ab. |

Der Räuber brach, mitten ins Herz getroffen, lautlos zusammen.

In seinem Besitz fand man eine mit 7 Schuss geladene Pistole, sowie die Aktentasche mit dem geraubten Geld in Höhe von 1282,26 Rm. Die beiden Kriminalbeamten brachten den noch lebenden Räuber sofort in Krankenhaus nach Börnig. Auf dem Wege dorthin ist der Schwerverletzte jedoch gestorben.

Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, handelt es sich bei dem erschossenen Täter um den erheblich vorbestraften, 31 Jahre alten Johann Thierhoff aus Herne=Holthausen. Die Leiche wurde beschlagnahmt.

Die Kriminalpolizei hat die Fahndung nach dem zweiten Täter sofort aufgenommen.

Zu dem Raubüberfall erfahren wir noch, dass der erschossene Thierhoff als ein sehr gewalttätiger Mensch bekannt war. Er war nicht verheiratet. Vorbestraft war er wegen schwerer und leichter Körperverletzung, versuchten Raubes und Diebstahl. Zur Zeit des Überfalls auf das Verwaltungsgebäude der Zeche „Teutoburgia“ war es besonders still, da die Zeche schon seit Jahren stillgelegt ist (der Abbau erfolgt untertage durch die Zeche „Erin“ in Castrop-Rauxel 1). Der überraschte Beamte befad sich allein im Erdgeschoß, als der Räuber plötzlich vor ihm stand. Nachdem beide Räuber das Verwaltungsgebäude wieder verlassen hatten, sind sie die Teutoburgiastraße hinauf zur Börniger Straße gelaufen, die etwa 250 m weit entfernt ist und von der Straßenbahn befahren wird. An der Einmündung der Teutoburgiastraße haben sich beide Räuber getrennt. Wohin der Komplize des erschossenen Thierhoff sich gewandt hat, ist nicht bekannt. Vermutlich dürfte auch er in Holthausen oder Börnig wohnhaft sein und sich versteckt halten. Thierhioff hat den Führer des Straßenbahnwagens zwingen wollen, schneller zu fahren, jedoch musste der Wagen eine Steigung überwinden, welchen Umstand der Kriminalbeamte benutzte, um abzuspringen und auf die hintere Plattform wieder aufzusteigen, wo er dann mit dem Räuber wieder zusammentraf, wofür dem Beamten die vollste Anerkennung gebührt. Bis 21 Uhr war der zweite Räuber noch nicht gefasst.“ .

Siehe auch


Einzelnachweise