Bitte um Unterstützung zum Bau einer katholischen Schule - Artikel 8. Februar 1863

Im Münsterischen Anzeiger in Münster vom 8. Februar 1863[1] erschien folgender Artikel.

Bitte

um Unterstützung zum Bau einer katholischen Schule in Herne.

Nachdem in der Gemeinde Herne und Umgegend durch die in Betrieb gekommenen Bergwerke die Zahl der Katholiken sich binnen 10 Jahren auffällig rasch vermehrt hatte und jetzt auf 400 gestiegen ist, stellte sich bald das Bedürfniß sowohl eines eigenen Geistlichen als auch eines Lehrers heraus, da dieselben von ihrem Pfarrorte und der Schule in Eickel eine starke Stunde entfernt waren, Kirche und Schule in Eickel aber, wo sich gleichfalls die Katholiken bedeutend gemehrt hatten, kaum den dortigen Bedürfnissen genügten.

Es wurde darum in Herne eine Schule für die katholischen Kinder zunächst eröffnet in einem gemietheten Lokale, und als dies nicht mehr genügte, ein anderes passendes nicht zu haben war, eine Nothschule errichtet.

Allein auch diese genügt nicht mehr für die gegenwärtigen 75 Schulkinder, um so weniger, als die Gemeinde, in welcher im Jahre 1862 30 Geburten vorgekommen sind, in gar raschem Zunehmen begriffen ist. Die Noth drängt, auf Errichtung eines geräumigen und dauerhaften Schulhauses bedacht zu sein. Es ist ein solches projektiert, dessen Kostenanschlag sich auf 3200 Thlr. beläuft, in welche Summe noch nicht das zum Ankauf eines Platzes Nöthige mitbegriffen ist.

Diese Summe aufzubringen, ist den Katholiken in Herne bei ihrer offenbaren Armuth und Mittellosigkeit ganz unmöglich. Denn außer 5 Insassen, welche zusammen blos 15 Thlr. Grundsteuer zahlen, und außer einigen Handwerkern und Eisenbahnbeamten sind sie durchgängig Bergarbeiter und Tagelöhner, welche zusammen blos 255 Thir. Klassen= und 48 Thlr. Gewerbesteuer zahlen. Und da sie außer 147 Thlr. Kommunalsteuern noch für Unterhalt und Wohnung des Geistlichen, weicher sich wegen Mangel eines eigenen Hauses einmiethen muß, zur Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse, zum Unterhalt des Lehrers noch gegen 500 Thlr aufbringen müssen, so ist gar nicht abzusehen, wie sie auch nur Etwas aufbringen können zunr Schulhausbau.

Bei dieser unserer großen Noth hat auf Antrag der Kgl. Regierung der Ober=Präsident von Westfalen uns die Abhaltung einer Haus=Collecte in den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster bewilligt. Da auf dem reichlichen Ertrage derselben unsere Hoffnung beruht, so richten wir dringendst die Bitte an Alle, unsere Noth nicht ganz zu übersehn, sondern sie durch Etwas, wenn auch Weniges lindern zu helfen. Freilich in Anbetracht der vielen Collecten müssen wir fürchten, bei Manchem kein Gehör zu finden; indessen unsere Noth zwingt uns, selbst auf die Gefahr hin, Unwillen zu erregen, unsre Stimme bittend zu erheben. Doch, da wir schon bei manchem Gutgesinnten in der Nähe, welcher unsere dürftige Lage mit Augen sah, Gehör gefunden, hoffen wir auch in der Ferne Gehör zu finden, hoffen, nicht Wenig, sondern Viel zu erhalten. Herne, den 15. Januar 1863.

Der Schulvorstand:
von Forell, Ehren=Amtmann. Schwartz, Missionar. Jansen. Florenz Wiegelmann.

Mit Bezug auf vorstehende Bitte und in Hoffnung auf Erfüllung derselben werde ich im Auftrage des Schulvorstandes von Herne nächste Woche die Collecte in Münster beginnen. Herten, den 3. Februar 1863.
Peus, Vicar.

Sauerländisches Volksblatt - Olper Kreis-Blatt vom fast gleichlauteneder Zusatz: 18. April 1863
[…] Der beauftragte Deputirte Wilh. Jochem wird im Laufe nächster Woche in Olpe und Umgebung und in der darauf folgenden Woche in den übrigen Orten des Kreises collectieren. Herne, den 14. April 1863. […][2]


Anmerkungen

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