Bahnhofstraße 26 - Klüsener - Café Feldkämper - Hotel Sicking

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Bahnhofstraße 26
Erbaut: zw. 1823-1849/1895
Auch bekannt als: Hotel Sicking
Stadtbezirk: Herne-Mitte
Letze Änderung: 28.02.2022
Geändert von: Johann-Conrad

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Das Eckhaus Bahnhofstraße 26 / Glockenstraße ist ein Wohn/Geschäftshaus in Herne Mitte mit einer langen Geschichte.

Leo Reiners schrieb die frühe Geschichte des Hauses in seiner Artikelserie „Aus der Geschichte er Bahnhofstraße“ nieder:

„Relativ früh war schon die südliche Ecke der Marienstraße bebaut. Hier war eins der ersten Häuser auf der östlichen Seite der Bahnhofstraße. Das Grundstück hatte nicht, wie so viele an dieser Seite der alten Chaussee, zum Hofe Schlenkhoff gehört (der Schlenkhoffsche Besitz hörte an der Marienstraße auf), sondern es war ein Teil der Gemüsegärten, die sich an den Südrand der Marienstraße anlehnten. Der Garten an der Ecke Marien- und Bahnhofstraße (112 Ruten 70 Fuß groß) gehörte zu Beisemanns Kotten am Alten Markt (es [war] das Häuschen zwischen Schulte-Kortnack und dem Gemeindesaal). Die Tochter der Frau Heinrich Beisemann[1] heiratete 1812 in erster Ehe den Kleidermacher Joh. Herm. Overkamp und 1817 in zweiter Ehe Joh. Wilh. Blanke. Die Tochter Anna Cath. aus erster Ehe[2] vermählte sich mit dem Bäcker Friedrich Schulte gt. Kortnack, der durch Kaufvertrag von 1849 Besitzer des Beisemanns Kotten wurde. Von dem Garten an der Ecke Marien- und Bahnhofstraße kamen 1849 35 Ruten an den Kaufmann Ludwig Cremer und 38 Ruten an den Bäcker Schulte gt. Kortnack, der Rest (die Ecke) wurde 1856 an den Polizeidiener Georg Klüsener[3] veräußert.

Auf das von Klüsener erworbene Stück war 1850 eine Abfindung von 317 Talern, welche der [alte] Besitzer seinem Stiefsohn[4] Joh. Diedr. Hesse[5] aus dem Teilungsrezess von 1849 schuldete, eingetragen worden. Diese Eintragung erfolgte für das Grundstück "nebst dem darauf erbauten Hause" mit Einschluss der an L. Cremer und Bäcker Schulte gt. Kortnack veräußerten teile. Daraus geht hervor, dass schon 1849 an der Ecke Marien- und Bahnhofstraße ein Haus stand, das allerdings 1823 bei der Katasteraufnahme noch nicht vorhanden war und auch scheinbar nicht sehr lange vor 1849 erbaut worden ist. Dass ein Haus zum Kaufobjekt gehörte, beweist auch der von Klüsener bezahlte Kaufpreis von 1450 Talern.

Im Jahre 1868 wurde die Witwe Klüsener[6] Eigentümerin, 1895 [ihr ältester überlebender Sohn] der Grubendirektor Heinrich Klüsener zu Bochum[7]. Kurz vorher [1890] muss das Haus durch Neu- und oder Umbauten auf die jetzige Größe (einschl. Cafe Feldkämper) gebracht worden sein. Im Jahre 1899 wurde ein Backhaus angebaut. Nachdem der Besitz 1906 auf die Witwe [8] und die sechs Kinder des Grubendirektors Klüsener übergegangen war, wurden 1910 die Witwe des Lokomotivführers Anton Ehrhardt[9], Marie geb. Klüsener [1851-], und der Restaurateur Eduard Klüsener [1858-1913][10] als Besitzer eingetragen[11], 1923 die Ehefrau des Bürovorstehers Karl Hackländer, Luise geb. Ehrhardt.

Im Jahre 1924 erwarb der Bäckermeister Karl Feldkämper das Besitztum, der es 1929 im Erdgeschoß zu dem jetzigen Cafe umbauen ließ.[12]

Im ersten Adressbuch, 1890, werden eine Dienstmagd Lina Köhlhoff eingetragen. Auch der Kaufmann Ottomar Buchmann neben dem Stallmeister Hermann Büttner. Locomotivführer Anton Ehrhardt, Magd Anna Scheibler, Uhrmachergehilfe Heinrich Schlenkhoff. Der Uhrmacher Eduard Klüsener , daselbst gemeldet, tritt gleich in zwei Anzeigen auf. Im Mai 1889 wohnte er noch auf der Bahnhofstraße 19.

Auszug aus dem Adressbuch des Amtes Herne von 1892

1892 ist Direktor Klüsener Eigentümer. Es werden als Bewohner des Hauses benannt: Der Uhrmacher Eduard Klüsener, der Uhrmachergehilfe Heinrich Schlenkhoff, das Dienstmädchen Marie Thomas | der Kürschner Friedrich Reppekus, das Dienstmädchen Anna Scheibler | der Verwalter Hermann Büttner, der Geschäftsführer Ernst Schorr, die Dienstmagd Maria Schütte | die Witwe Maria Ehrhardt und die Lehrer Karl Neuloh und Friedrich Dickhut.

Im Werbeteil preist Eduard Klüsener erneut seine Waren an. Neben Uhren auch Juwelen und Brillen.

Eduard Klüsener wird dann in den Adressbüchern des Jahres 1894 als Eigentümer genannt. Die weiteren Bewohner gehören wiederum zur neuen Bürgerlichen Schicht an.

Im Jahr der Stadtwerdung steht wieder „Director Klüsener in Bochum“ als Eigentümer. Seine dort wohnende Schwester Marie – Witwe Ehrhardt – wird als „Konditorei=Geschäft Witwe“ bezeichnet. Weiterhin wieder Kaufmänner, Lehrer und Beamte.

1899 fast alles beim alten, nur die Konditorei Witwe ist nun nur Witwe.

Auszug aus dem Adressbuch der Stadt Herne von 1908

1901 ist nun der Konditor Emil Bornemann genannt. 1908 ist nun die Witwe Klüsener Eigentümerin.

1910 gibt es eine große Veränderung. Hugo Minkler ist nun mit Heinrich Sanders als Geselle der Uhrmacher im Hause. Im Branchenverzeichnis wir extra erwähnt: „Minkler, H (früher Klüsener. Ed.)“

In diesem Jahr ist Eduard Klüsener kein Uhrmacher mehr, sondern besitzt und leitet seit 1908 die Wirtschaft Osthold auf der Bahnhofstraße 63 an der Ecke von-der-Heydt Straße.

1914 ändert sich der Besitzstand: Witwe Marie Ehrhardt ist nun Eigentümerin und Otto Funke ist Pächter des Caféhauses und Konditorei. Zwei Gesellen – Ernst Schade und Hermann Viegener – sowie eine Servierkraft Lina de Vries sind gemeldet. Es wurde groß Umgebaut, denn Hugo Minkler firmiert nun im Hause Bahnhofstraße 97. Nur noch vier weitere Mieter sind erwähnt, darunter der Rechtsanwalt Dr. Siegm. Löwenstein, der in der ersten Etage wohnt und seine Mandanten betreut.

Auszug aus dem Adressbuch der Stadt Herne von 1914

Nach dem 1. Weltkrieg Krieg wechselte das Cafe Funke zur Bahnhofstraße 46 und der Bäcker O. Feldkämper (15. Juni 1889 – 24. Januar 1977) ist als Eigentümer [seit 1923] erwähnt. Noch ist Karl Hacklänger (s.o.) als Bewohner genannt. Hermann Weyer als Cafébesitzer, neben Robert Müller als Konditor und Hulda Ahlers als Servierfräulein.

Die Konditorei Weyer zieht in neue Firmenräume an der Behrendstraße (seit 1959 dann Wiacker etc.) und Otto Feldkämper übernimmt nun selbst das Café.

1934 weiterhin ist Bäckermeister Otto Feldkämper Eigentümer. Nun ist Emil Klostermann sein angestellter Konditor. 1938 Edmund Harbort.

1950: Otto Feldkämper firmiert weiterhin, aber nun nur noch mit Tochter Maria-Luise Feldkämper (23. Februar 1925) im Hause nebst weiteren Mietern. Das Hotel wird in leerstehenden Wohnungen eingerichtet und eröffnet. 1954 ist das ganze wieder größer gedacht: Neben Otto und Maria-Luise Feldkämper kommt Winfried Lutzmann als Konditorgehilfe auch der Konditor Albert Sicking kommt erstmals im Hause vor. Maria Luise heiratet in den nächsten Jahren Albert Sickung und verbindet dadurch beiden Familiennamen.

Ende 1959 blieb fast alles wie es war, jedoch ist neben Otto Feldkämper nur noch Albert Sicking im Hause. 1963 übernahm der Schwiegersohn (Konditormeister Albert Sicking) das Hotel und baute das ehemalige Cafe zu vermieteten Geschäftsräumen um. 1974 steht Patricia Sicking als neue Eintragung dabei.

1974 wird der Hotelbetrieb ausgebaut und erweitert. 1978 ist das Hotel Feldkämper-Sicking erstmals in den Adressbüchern genannt.

1981/85/89 leben Albert, Maria und Patricia Sicking im Haus und Hotel. Im letzten Adressbuch 1993 kommen Mathias Sicking und Kahraman Sekban dazu. 1989 übernahm Patricia Sicking und ihre Hotel Sicking GmbH den Betrieb der allerdings zwischen 2008 und 2013 eine Zwangspause einlegte.

Im Oktober 2013 wird das Unternehmen nach langer Umbau- und Renovierungsphase neu Eröffnet.

Im Hause befinden sich neben dem Juwelier Deluxe Edos auch die Targo-Bank. Davor war es die Sparda, KKB und Citi Bank. Davor gab es im gesamten Bereich die Damen- und Herrenbekleidung Quambusch (1978)

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Einzelnachweise

  1. Eine interessante Geschichte: Es war die uneheliche Tochter der A.C. Lackmann, die 1780 den Schneider J.H. Beisemann heiratete. Das einzig überlebende Kind war eben ihre uneheliche Tochter A.G. Lackmann mode Beisemann (1777-1860). Auch sie bekam zuerst ein uneheliches Kind und heiratete dann 1812 und 1817.
  2. Hier irrt Reiners. Anna Catharina Overkamp (1805-1862) entstammt der Verbindung J.E.W. Overkamps mit A.M. Düngelmann.
  3. 1810-1868
  4. Es war ein Cousin II. Grades. Sohn der 1817 geborenen A.C.M.E. Overkamp die 1842 in erster Ehe J.D. Hesse geheiratet hatte.
  5. Geb. 1843.
  6. Sophia Korn 1826-1887
  7. 1853-1905. Direktor der Zeche Schwerin in Castrop und Lothringen in Gerthe.
  8. Elisabeth Prein
  9. 1840-1890
  10. Verheiratet war er mit Emilie Meinhard. Alle Kinder starben jung bzw. der einzige Sohn Ernst viel im Juli 1918 im ersten Weltkrieg.
  11. Beide Geschwister des Grubendirektors Klüsener. Das Gebäude blieb also im Familienbesitz
  12. Vgl.: Aus der Geschichte der Bahnhofstraße XII