Altenhöfen, eine Fränkische Siedlung? (Reiners 1935)

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Von Leo Reiners.

Nr. 93 (Drittes Blatt), Herner Anzeiger, Samstag, den 20. April 1935

Altenhöfen, eine fränkische Siedlung?

Klüsener Reichshof Karls des Großen?

In den Artikeln über den Werdener Abteibesitz in Herne haben wir dargelegt, dass Haranni um 890 schon als bestehende Siedlung oder Bauerschaft bezeichnet wurde und dass es unter den damals vorhandenen Höfen solche gab, die sich bis in die Gegenwart verfolgen lassen. Dem Werdener Abteibesitz schloss sich an Alter der Essener Stiftsbesitz an, von dem „Ordekens gut to Dungelen" uns nach Altenhöfen führte. Diese Siedlung, deren hohes Alter schon in dem Jahrhunderte zurückzuverfolgenden Namen, der von alten Höfen spricht, zum Ausdruck kommt (schon das Feuerstättenverzeichnis von 1664 nennt „Klusener in der alden Hoven“ und der eine Hof heißt ausdrücklich Althoff), verdient es, dass man sich mit ihr näher befasst, denn sie war wahrscheinlich schon da, bevor die Dionysiuskirche entstand und sich darum das Dorf ansiedelte. An Hand der hier wiedergegebenen Karte, die wir nach der Katasterurkarte von 1823 angefertigt haben, lässt sich der frühere Zustand recht gut erkennen. Man sieht vier größere Höfe deutlich hervortreten: Klüsener, Masthoff, Hesse und Althoff. Ferner sieht man, dass die Siedlung durch zwei Bäche beherrscht wurde, die sich mitten in der Siedlung vereinigten. Es handelt sich um den Westbach von dem der eine Arm im Düngelbruch bei Weusthoff und der andere in dem Raum westlich der Bergstraße entspringt. Der erstere durchfließt heute das Sommerbad. Nach ihrer Vereinigung fließen sie unter der Altenhöfener Straße her in Richtung „Bachstraße" (die davon ihren Namen hatte; heute heißt sie Jean=Vogel=Straße), um sich zwischen Bachstraße" und Flottmannstraße mit dem Zweig des Westbaches zu vereinigen, der von der Siedlung „Im Winkel" und den Schrebergärten von Herne Süd herkommt. Von da aus fließt der Bach, der früher Overkamps Mühle trieb und daher Mühlenbach hieß, in der Linie der Hermann=Göring=Straße weiter. Schon der erste Blick auf die Karte lässt er kennen, dass die Höfe und Kotten sich auf die beiden Bachufer verteilen und zweifelsohne zumeist bewusst ihre Lage an den Bachläufen gewählt haben.

Hierzu kommt die Nähe ausgedehnter Weideflächen für das Vieh (heute noch die Vöde genannt) sowie der Umstand, dass wir es hier im Gegensatz zur sandigen Emscheraue mit dem fruchtbaren Lößboden zu tun haben, der die höheren Lagen Hernes bedeckt. Schon bei der Behandlung der Werdener Güter in Holthausen und Bergen haben wir darauf hingewiesen, dass diese ältesten geschichtlichen Siedler unserer Heimat den Lößboden bevorzugt haben. Aus der Lage am Bach, auf dem Lößboden und in der Nähe der Weideflächen kann man schließen, dass wir es in Altenhöfen mit einer der ältesten Herner Siedlungen zu tun haben.

Auch die Tatsache, dass das Städt. Heimatmuseum in der Straße „Im Winkel“ bei dem dortigen Westbacharm germanische Siedlungsreste gefunden und im oberen Ostbachtal in der Nähe des Gysenbergs Spuren fränkischer Siedlungen festgestellt hat, bestätigt uns, dass im Anfang der für Herne geschichtlichen Zeit die Täler der dem Emscherbruch zufließenden Bäche zur Ansiedlung bevorzugt wurden.

Immerhin muss das zu einer Zeit geschehen sein, wo der Mensch über Ackergeräte verfügte, die die Bearbeitung des schweren Lößbodens ermöglichten. Darum hat man die vorgeschichtlichen Siedlungen mehr in den sandigen Gebieten gefunden. Aus all dem ist der Schluss nicht von der Hand zu weisen, dass wir es in Altenhöfen mit einer „fränkischen" Siedlung zu tun haben. Fränkisch steht im Gegensatz zu sächsisch, bedeutet also entweder die Zeit nach der Niederwerfung der Sachsen durch die Franken - um 800 - oder vor dem Eindringen der Sachsen in das Land der zu den Franken gerechneten Brukterer, d. i. vor 700. Welche Zeit in Frage kommt, werden wir noch sehen. Der Meinung, , dass Altenhöfen eine fränkische Siedlung ist, gibt auch Rektor Decker in dem 1928 im Dari-Verlag erschienenen Werke „Herne i.W.“ Ausdruck, wenn er schreibt: „zudem können wir in Altenhöfen in den Gutshäusern von Althoff, Hesse, Klüsener und Masthoff, die genau im Viereck angelegt sind, ein fränkische Siedlung erkennen.“

Die Beweiskraft einer Viereckanlage wird hier wohl überschätzt, auch fällt der Hof Althoff etwas aus der Viereckanlage heraus (wobei man nicht einmal weiß, ob die Höfe nicht im Laufe der Jahrhunderte ihren Platz verändert haben) und unterscheiden sich ferner von den anderen dadurch, dass er vom Bache weggerückt ist, aber der Gedanke einer fränkischen Siedlung wird auch hier vertreten. Das stimmt ferner mit der Feststellung Dr. Ribbecks für Essen überein, der schreibt (Geschichte der Stadt Essen) „Zwischen dem großen Walde nördlich der Ruhr, dem die Germanen Chaisi (Buchenwald) nannten, und dem feuchten Emscherbruch entstanden an günstig gelegenen stellen, stets in unmittelbarer Nähe einer Quelle oder eines Baches, die ältesten ansiedelungen, nicht in der Form von Dörfern, sondern als Einzelhöfe, von denen höchstens hier und da einige wenige eine kleine Gruppe bildeten.“ Für die genaue Datierung der Altenhöfen=Siedlung gibt es noch einen anderen bemerkenswerten Anhaltspunkt. Abgesehen davon, dass Masthoff als „Ordekens gut to Dungelen“ mindestens kurz nach 1400 nachweislich Essener Stiftsgut war, eines Klosters, das bereits 852 entstand, womit auch die Zahl 1400 sicher noch erheblich weiter reduziert wird, gibt uns der Hof Klüsener zu denken. Er ist schon 1486 im Märkischen Schatzbuch unter der Sonderrubrik der „Haefslude tot Herne" erwähnt. Dort heißt es „Berthelmans soen op des Kluseners guet“. Außerdem war er, wie auch die Sonderrubrik andeutet, einer der ganz wenigen freien Erbhöfe im alten Herne. Das Feuerstättenbuch von 1664 verzeichnet bei ihm, dem „großen“ Overkamp und Koppenberg an der Wiescherstraße, ausdrücklich als Grundherrn „S. Churfürstliche Durchlaucht zu Brandenburg" d. h diese Bauern unterstanden direkt dem Landesherrn. Leider sind sämtliche Familienpapiere der Klüseners verschollen. Nach einer im Besitz von Frl. Lehrerin Klüsener, Altenhöfener Straße[1], befindlichen brieflichen Auskunft von Frau Hulda Thiemann, geb. Sandforth, die in erster Ehe einen Sohn von Georg Henrich Klüsener, der 1880 in Bochum verstorben ist, geheiratet hatte, hat der alte Klüsener die ganzen Familienurkunden und Akten mit nach Bochum genommen. Wo sie aber dann geblieben sind, ist vorläufig nicht aufzuklären. Frau Thiemann schreibt jedoch: „Der alte Hof war ein Reichshof, wie in einer alten Hausbibel stand." Diese Familientradition lässt den Rückschluss zu, dass es sich bei dem freien Erbhof Klüsener um einen sehr kleinen Reichshöfe handelt mit denen Karl der Große seine fränkischen Krieger bedachte, um sie im Sachsenlande sesshaft zu machen und seine Herrschaft hier zu sichern. Das würde aber voraussetzen, dass der Hof damals schon bestand, und bedeuten, dass noch weiter als bis etwa 800 n. Chr. Geburt zurückzuverfolgen ist. Für seine Entstehung dann in die Zeit der Brukterer. (Herne gehörte ja, wie das Werdener Urbar beweist, zum Brukterergau), die besonders vor dem Eindringen der Sachsen aus der Gegend nördlich der Lippe, also vor 694, eine reiche Siedlungstätigkeit entfalteten. Das ist nicht unmöglich, wenn wir bedenken, dass Haranni um 890 ja schon eine Bauerschaft genannt wird. Wenigstens der bedeutendste der Altenhöfener Höfe wäre damit in die Bruktererzeit zurückgerückt. Die übrigen oben behandelten allgemeinen Siedlungsumstände rücken aber auch die anderen Höfe in die älteste Siedlungszeit.

Doch lassen wir es jetzt mit diesen Erwägungen die manchem etwas kühn erscheinen mögen, genug sein und Sp wir uns der greifbareren späteren Zeit zu. Die Bauwerke, die der Siedlung ihr Gesicht gaben und zum Teil noch heute geben, entstammen, wie wir sehen werden, dem 18. Jahrhundert. Die in der Karte schwarz angelegten, sind nachweisbar schon 1823 vorhanden gewesen, also über 100 Jahre alt. Ueberaus malerisch haben sie ausgesehen wie noch heute z. B. der prachtvolle Klüsenersche Giebel erkennen läßt. Lieblich schlängelten sich die Bachläufe, an einigen Stellen sich erbreiternd, durch die Siedlung. Hohe Pappeln reihten sich daran auf, die größtenteils heute noch stehen, während die Bachläufe durch die Kanalisierung trocken gelegt sind. Die Altenhöfener Straße wurde bei Berkhoff (heute Nottebaum) in einer Holzbrücke über den Bach geführt. Die Abzweigung der Altenhöfener Straße an Köhlhoff vorbei, die im rechten Winkel zu Masthoff umbog und bei Jäger wieder die Hauptstraße traf ist heute noch vorhanden. Nur das Stück zwischen Bach und Winkelspitze fehlt. Die Bergstraße hatte, wie man sieht früher einen anderen Lauf. Nach einem Kreisbogen bildet sie bei Klüsener eine S=Kurve, dann wurde – es geschah zwischen 1823 und 1870 - der Kreisbogen etwas verlegt (punktierte Linie) und begradigt, bis in jüngerer Zeit die eigentliche Bergstraße gebaut wurde (gestrichelte Linie), die auch die S-Kurve beseitigte.

Wenden wir uns nun den einzelnen Höfen und Kotten zu, so stößt der Spaziergänger, der von Herne kommt und sich der Gabelung Altenhöfener—Bergstraße nähert, zunächst zur Linken auf den Hof Althoff.

Dieser ist heute verschwunden, die älteren Leute haben ihn aber noch gekannt und erzählen, dass zwei mächtige Nussbäume davor gestanden hätten. Im Feuerstättenverzeichnis von 1664 steht er auf den Namen des Pächters Jorgen Aldthoff als halber Hof, der dem Stift Stoppenberg gehörte. Im Jahre 1775 heiratete die Witwe eines Georg Althoff, anna Elisabeth Weustenbusch, einen Johann Rötger Hoeltring von Hiltrop, der 1743 geboren war und 1833 starb. Aus der ersten Ehe war eine Tochter Catharina Gertrud vorhanden (Geb. 1773, gest. 1818), die 1808 einen Johann Georg Bönnebruch aus dem Dippenbruch, Kirchspiel Eickel, heiratete. Seitdem heißt die Familie Bönnebruch gt. Althoff. Aus ihr stammt auch der gegenwärtige Bürgermeister von Wanne-Eickel. Das Wohnhaus mit Stallung, also der eigentliche Hof, sowie die Scheune sind 1901 abgebrochen und durch den jetzigen zweistöckigen Neubau an der Straße, in dem die Witwe Hulda Allthoff noch wohnt, ersetzt worden. Das frühere Backhaus, das ebenfalls Wohnhaus geworden war, ist 1910 abgebrochen worden. Auf dem Grundstück steht an der Ecke nunmehr die Wirtschaft Brinkmann.[2]

In der Nachbarschaft von Althoff, an dem Wege, der zur Wiescherstraße führt und in seiner Fortsetzung die Feldstraße bildet, liegt noch heute das an der Vorderseite holzverschalte Häuschen von Grewe.

noch längere Zeit stehen. Auf den Karten von 1886 ist sie noch verzeichnet. Heute befindet sich hier eine Wiese und nichts erinnert mehr an den alten Essener Stiftsbesitz. Die Besitzer hießen nach anderer Schreibweise auch Graeve. Nach der Inschrift eines später zur Errichtung des Stallanbaus am Feldweg verwendeten Balkens, auf dem „Anno 1796 Den IIten Mai" zu lesen steht, ist das Haus — wenn der Balken bei Erneuerungsarbeiten am Hause ausgebrochen ist und nicht an anderswoher stammt! — 1796 errichtet worden. Abgesehen von der erneuerten Giebelseite am Feldweg ist das Gebäude aber dasselbe geblieben, das schon 1823 in die Katasterurkarte aufgenommen wurde. Festgestellt haben wir einen Georg Henrich Graeve in den Altenhöfen, der 1788 die Anna Elisabeth Fichte von Wanne Eickel heiratete und 1814 starb. Seine Witwe folgte ihm 1816 in den Tod. Später ist das Haus auf einen Johann Henrich Zimmermann übergegangen, der mit Graeve verwandt war. (Die Zimmermann wohnten in Harpen 1818 hat ein Arnold Diedrich Zimmermann aus Harpen auch in den Hof Papelmannhof in Baukau eingeheiratet.) Zwischen 1870 und 1886 haben Zimmermanns das in der Karte gestrichelt gezeichnete Nebengebäude errichtet, in dem eine Schmiede betrieben wurde. Dann wurde es Einliegerhaus. Es steht heute noch, dunkelrot gestrichen und ist bewohnt. Bis vor einigen Jahren gehörte der gesamte Besitz dem Schlosser Heinrich Zimmermann, der mittlerweile auf der Von=der=Heydt-Straße sich ansässig gemacht hatte. Als er gegenüber der Post die großen Wohnungsbauten errichtete, tauschte er bei Grundstücksverhandlungen das Besitztum an der Bergstraße mit der Stadt Herne aus, die seitdem Eigentümerin des alten Graeveschen Kottens ist.[3]

Folgen wir der Bergstraße weiter, so haben wir rechts ein langgestrecktes, auf der Karte gestrichelt zeichnetes Gebäude, das erst zwischen 1870 und 1886 entstanden ist. Es gehört den Erben Weusthof und besteht aus mehreren Einliegerhäusern. –

Im Zuge der jetzigen Bergstraße lag 1823 Hülsberg. Das Häuschen war auch 1886 noch da, ist aber dann verschwunden. Festgestellt haben wir einen Rötger Hülsberg, der sich 1779 mit Anna Maria Mellinghaus verheiratete und 1810 starb. Der älteste Sohn Johan Henrich vermählte sich 1799 mit Anna Clara Wiskott aus Mengede. Von den fünf Kindern dieser Ehe heiratete der älteste Sohn, Johan Henrich, eine Anna Catharina Vedder, von den Vedders, die jetzt in dem Winkel der Altenhöfener und Bergstraße ein Haus haben.

Gegenüber Hülsberg entstand schon vor 1870 ein Einliegerhaus (in der Karte gestrichelt gezeichnet), das dem Bauer Weusthoff gehörte. Es ist kurz nach dem Kriege [1914-1918] abgebrochen worden.

Nunmehr kommen wir an den bedeutendsten Hof der Siedlung, Klüsener. Schon oben war von ihm die Rede. Was zunächst die Gebäude anbelangt, so ist das Haupthaus noch so vorhanden, wie es 1789 gebaut wurde. Der Deelenbalken trägt die für die Geschichte des Hauses wichtige Inschrift „Jörgen Henrich Klüsener und Anna Catharina Overkamp, Anno 1789 5. Junius.

Diese hatten 1769 geheiratet, was noch die Inschriften auf den zwei geschnitzten Bettfüllungen bezeugen, die das Heimatmuseum von ihnen besitzt. Die gleichfalls noch heute vorhandene Scheune trägt auf der Nordseite die Balkeninschrift: „Der da kärglich säet der wird auch kärglich erndten und wer da säet Segen der wird auch erndten im Segen. Die 2. Corinther am 9. V. 6“.

Auf der südlichen Längsseite befindet sich die Balkeninschrift: „Wir wisen so unser irdisch Hausz dieser Hütten zerbrochen wird dasz wir einen Bau haben von Gott erbauet ein Hausz nicht wurde es gantz neu gebaut und dem lieben gott an mit Händen gemacht das ewig ist im Himmel Die 2. Corinther am 5. V. 1. Henrich Klüsener Anna Maria Koppenberg Ehl. 1755 den 11. Junius“.

In dieser Scheune haben wir also, was auch das Aussehen des Holzes bezeugt, den ältesten Teil der Hofesgebäude vor uns. Der auf der Karte von 1823 verzeichnete kleine Bau neben der Scheune und der am Wasser sind zwischen 1870 und 1886 verschwunden. An ihrer Stelle entstanden der schmale Stallanbau an der Straßenseite, der heute noch (mit eine durch die Erbreiterung der Bergstraße bedingt gewesenen kleinen Veränderung) existiert, und dass gestrichelt gezeichnete Backhaus (mit Krautpresse und Trockenofen) am Bachbett. Was die Geschichte der Familie Klüsener noch anbelangt, die, wie erwähnt, namentlich 1486 im Märkischen Schatzbuch nachgewiesen ist, so gingen aus der Ehe Klüsener—Overkamp zwei Kinder hervor. Das älteste, ein Mädchen, heiratete einen Mumme, das zweite, der Sohn Georg Henrich, heiratete 1808 eine Anna Maria Eickmann (wohl Eckmann von Holthausen). Diese hatten zehn Kinder.

Im Jahre 1831, ein Jahr nach der Geburt des zehnten Kindes, starb Anna Maria Eickmann, und der Witwer heiratete eine Engel Margareta Heiermann aus Horsthausen. Er starb 1844, die zweite Frau 1868. Das älteste der zehn Kinder, Georg Henrich, übergab den Hof später seinem ältesten Sohne Heinrich, der ihn aus finanziellen Gründen um 1878 an Masthoff verkaufte. Der alte Klüsener zog nach Bochum, wo er 1880 starb. Heute bewohnt des alten Eberhard Masthoff Sohn, Wilhelm Masthoff, den Hof, der 1934 zum Erbhof erklärt worden ist. Zu dem Namen Klüsener ist noch zu sagen, dass er von Kluse (=Klause) herkommt. Noch heute ist in Altenhöfen die Bezeichnung „an der Kluse" bekannt, woraus hervorgeht, dass sich dahinter noch die Geschichte einer Kluse verbirgt, die wir leider nicht kennen.

Neben Klüseners Hof lag der alte Hof Masthoff, den wir bereits in dem Artikel über den Grundbesitz des Essener Frauenstifts eingehend behandelt haben und als „Ordekens gut to Dungelen" schon kurz nach 1400 im Kettenbuch verzeichnet ist. Der Name Masthoff ist zuerst 1650 nachweisbar. Etwa 1879 ist der Hof abgebrochen worden, nachdem der Klüseners Hof gekauft worden war. Die Scheune am Wege blieb noch längere Zeit stehen. Auf den Karten von 1886 ist sie noch verzeichnet. Heute befindet sich hier eine Wiese und nichts erinnert mehr an den alten Essener Stiftsbesitz.

Masthoff benachbart war Jäger.

Der Kotten Jäger hat aber, wie die Karte zeigt, 1823 näher am Wasser gelegen. Das jetzige Gebäude entstand an etwas höher gelegener Stelle im Jahre 1858. Das bezeugt die Inschrift über dem Deelentor, die (nach Angabe der alten Frau Jäger, die Buchstaben sind gegenwärtig schlecht lesbar) lautet: „Herschaue vom Himmel herab von deiner himmlischen Wohnung und segne dein Volk Heinrich Spanier Lisette Jäger, Eheleute, Juni 1858".

"Die Familie Jäger ist hier schon sehr lange ansässig. Sie wird bereits im Feuerstättenverzeichnis von 1664 erwähnt. Der Kotten gehörte damals den Häusern Strünkede und Gysenberg, Pächter war „der Jäger", woraus hervorgeht, dass es sich offenbar ursprünglich um einen wirklichen Jäger der Strünkeder und Gysenberger gehandelt hat. Zur Zeit der Kartenaufnahme gehörte der Kotten Johann Georg Jäger der 1761 geboren war und 1790 eine Maria Elisabeth Gartmann aus Gelsenkirchen geheiratet hatte. Ihr ältester Sohn Johann Georg heiratete 1824 eine Helene Sophia Fleigenschmid. Die meisten ihrer sieben Kinder starben sehr früh, es blieben nur drei Mädchen, von denen das älteste, die 1826 geborene Anna Lisette, den Heinrich Spanier heiratete, der das jetzige Haus errichten ließ. Spanier stammte aus Mennighüffen im Landkreis Herford und kam nach seinen Militärjahren nach hier, um als Bergmann auf Zeche Engelsburg (Herne hatte noch keinen Bergbau) tätig zu sein. Da die Ehe kinderlos blieb, ging das Besitztum auf Friedrich Jäger über dessen Witwe Alwine geborene Hesse (von der Wieschermühle, der Großvater stammte vom Hesse=Hof in Altenhöfen) noch heute in dem Hause wohnt.

Auf der anderen Seite der Altenhöfener Straße liegt gegenüber Jäger das alte, rot gestrichene Fachwerkhaus von Klüsener „in der Gathe".

Das Gebäude, das seit langem von Cuvelier bewohnt wird, während Klüseners 1899 nebenan ein neues Haus erbaut haben, trägt über dem Deelentor eine Balkeninschrift, aus der hervorgeht, dass es Anno 1777 von Klüsener gebaut wurde. Es handelt sich hier um einen aus dem großen Klüsener=Hof stammenden Henrich Jürgen Klüsener der 1735 geboren wurde und sich 1772 mit Helene Kath. Pette aus dem Lohofe, Kirchspiel Eickel, vermählte. Das Grundstück erwarb er von Henrich Jörgen Masthoff. Die erst 1780 verfasste Vertragsurkunde darüber befindet sich noch im Besitz von Frl. Lehrerin Klüsener. Danach gibt Henrich Jörgen Masthoff den Eheleuten Henrich Jörgen Klüsener und Helene Cath. in Erbpacht und Leibgewinn das Eckörtgen in der Gathe bis auf den Weg, wie dasselbe gelegen, welches uns bey Theilung der Gemeinheit zu theil gefallen", er soll berechtgt sein, darauf ein Wohnhaus zu bauen. Zügleich wird ihm eine Kuhweide auf der Riemker Voede gegen Bezahlung des Weidegeldes versprochen. Dafür soll er außer dem Weidegeld jährlich zu Martini 1 Rtlr. bezahlen und in der Erntezeit 4 Mähdienste entrichten. Nach einer anderen Kaufurkunde von 1812 erwirbt sein Sohn (H. J. Klüsener starb. 1803) ein Stück Land „auf dem Dreck" von den bisherigen Anteilsberechtigten Claas, Markmann, Alstede, Planker, Grüter gt. Bäcker und Hesse.

Folgen wir der Altenhöfener Straße nun in Richtung zu unserem Ausgangspunkt, so treffen wir an der Einmündung der sog. verlängerten Bachstraße auf den Kotten Berckhoff. Auch er gehört wie Althoff, Klüseners Haupthof Masthoff und Jäger zu den ganz alten Altenhöfenern.

Schon im Feuerstättenverzeichnis von 1664 ist der Kotten Berckhoff, der damals von einer Witwe bewohnt wurde erwähnt. Als Grundherr ist Klusener angegeben. Von Alter und Schicksal des Gebäudes erzählen die Inschriften auf dem Deelenbalken der vor einigen Jahren erneuerten Längswand an der verlängerten Bachstraße. Dort steht: „Im Jahr 1793 wurde es gantz neu gebaut und dem lieben gott anvertraut Von L. (?) Feltmann E. Berckhof El." Im Jahr 1816 d. 27t. Mertz da brandte es zur Hälte nieder durch Gottes Hult und Menschen Hand ist es verbessert wieder." Eine dritte Inschrift lautet: „Joh. Eberhard Nottebaum und Maria Elis. Berckhof El.“

Der Erbauer dieses Hauses war Georg Henrich Feldmann aus Holsterhausen, der 1787 die Witwe Engel Margareta Berckhoff heiratete, deren erster Mann Georg Henrich Hesse gt. Berckhoff im Jahre 1786 gestorben war. Aus der ersten Ehe waren nur drei Mädchen vorhanden, von denen das älteste, Maria Elisabeth, im Jahre 1809 den Joh. Eberhard Nottebaum aus der Wanne, Kirchspiel Eickel, heiratete. Der jetzige Besitzer ist der Berginvalide Heinrich Nottebaum, der wieder nur eine Tochter hat.

Schon vor 1870 entstanden auf dem Grundstück Berckhoff=Nottebaum drei kleine Nebenbauten, von denen die am Bach gelegenen nicht mehr vorhanden sind. Wohl existiert noch das an der verlängerten Bachstraße neben Nottebaum gelegene Fachwerkhaus, das später durch ein Backsteinwohnhaus mit Anbau erweitert wurde. Dieser kleine Gebäudekomplex gehörte zuerst Wietelmann. Dessen Witwe heiratete einen Schulte. Der Sohn nahm sich eine Frau aus Harpen, die in zweiter Ehe einen Wilh. Hoffmann ehelichte. Dieser ist heute Grundstückseigentümer. — Gegenüber Hoffmann liegt heute an der verlängerten Bachstraße ein weiteres Wohnhaus das Klüsener auf ihrem Grund gebaut haben. Von diesen erwarb es der jetzige Eigentümer Frie, ein Nachkomme jenes Sigismund Frie, der auf der aus dem Jahre 1714 stammenden Balkeninschrift an dem Fachwerkhause Ecke Rosenstraße und Alter Mark verewigt ist.

Der nächste Hof, den es zu betrachten gilt, ist Hesse.

Er lag gegenüber Berckhoff an der anderen Seite des Baches. Auch die Familie Hesse ist sehr alt. Im Märkischen Schatzbuch von 1486 ist ein Johan van Hessen erwähnt, woraus hervorgeht, daß der Urahn aus Hessen zugewandert sein muss. Das wird auch aus den Umstand erhärtet, dass der Name in den alten Kirchenbüchern Heesen laut. Im Jahre 1683 starb „Maria Heesen auß den Altenhöfen zweier nacheinander gehabter männer nachgelassene Wittwe“. Im Jahre 1779 heiratete Georg Henrich Trösken von Hiltrop die Anna Elis. Hesse, mit der er zehn Kinder hatte. Seit dieser Zeit hieß die Familie Trösken gt. Hesse. Noch 1886 war der Hof an der alten Stelle, durch die gestrichelt gezeichneten Gebäudeteile erweitert, vorhanden, doch wurde er bald darauf abgerissen, da an der Altenhöfener Straße ein neuer Hof errichtet worden war, der jetzt von dem Landwirt Vogel bewirtschaftet wird, während Grundstückseigentümerin die Stadt Herne ist. Die Familie Trösken gt. Hesse ist nach Stendal verzogen, wo sie ein größeres Gut gekauft hat. Von Wichtigkeit ist noch, zu erwähnen, dass der Hesse=Hof ein Hobs= und Behandigungsgut des Stifts Stoppenberg, war.

Dies geht aus dem Feuerstättenverzeichnis von 1664 hervor, in dem es sonst noch heißt: „Pfächtiger Hesse, ein halb Hovener hat zwei Feuerstedden, deren eine eine arme Frau bewohnet.“ Hesse zahlte nach diesem Verzeichnis fast so viel Kaminsteuer wie der große freie Erbhof Klüsener, woraus seine angesehene Stellung und wirtschaftliche Bedeutung erhellt. Ein interessanter Zug, der die Verwachsenheit mit dem Alten illustriert, wurde uns noch erzählt. Danach ist der neue Hof an der Altenhöfener Straße schon einige Zeit fertig gewesen, ehe man ihn bezog, weil die alte Frau Trösken gt. Hesse sich nicht von dem alten Haus trennen wollte.

Der Kotten, der jetzt zu besprechen ist, ist Köhlhoff, der in dem Winkel lag bzw. noch liegt, den die Altenhöfener Straße mit dem einst zum Hof Masthof führenden Abzweig bildete. Auch Köhlhoff ist schon im Feuerstättenverzeichnis von 1664 erwähnt. Grundherr war Jorgen Overkamp. Damals schon hatte der Kotten zwei Feuerstätten, „deren eine der Leibzuchter bewohnet“. Von den in der Katasterurkarte von 1823 verzeichneten Gebäuden ist das Hauptgebäude (schwarz angelegt) noch erhalten. Es hat nach 1886 den jetzigen am meisten in die Augenfallenden zweistöckigen, rot gestrichenen Fachwerkanbau anstelle eines vorher schon angefügten (punktiert gezeichneten) erhalten. Das punktiert gezeichnete Hintergebäude, das schon vor 1870 entstand, ist gleichfalls noch vorhanden. Zwischen 1870 und 1886 entstand das punktiert gezeichnete Gebäude an der Altenhöfener Straße, das jetzt aufgestockt und verputzt ist, während der schon 1823 vorhandene kleine Bau am Wege verschwand. Nach 1886 ist auch das Fachwerkhaus in der Spitze der Gabelung verschwunden. Dort befindet sich seit 1907 die Schmiede von Voß. Im vorigen Jahrhundert kam das Besitztum von Köhlhoff an Grünenthal, 1901 übernahm es von dem Bergmann Wilh. Grünenthal der Bäcker und Wirt Wilh. Rosenkötter dessen Erben noch heute sämtliche Gebäude auf diesem Grundstück besitzen.

Zum Schluß müssen noch die Häuschen von Heinrich Schulte und Heinrich Berghoff erwähnt werden, die 1823 zwischen Köhlhoff und der „Bergstraße" lagen.

Von Schulte haben wir festgestellt, daß er auch Scholte und Senner hieß und aus Kornharpen stammte. Johann Rötger Scholte starb 1814, seine Tochter Anna Margarete 1827. Das Häuschen war 1870 bereits nicht mehr vorhanden. 1886 war das Nebenhaus von Berghoff noch da, es ist aber später ebenfalls abgebrochen worden. Besondere Bedeutung haben diese beiden Häuschen nicht gehabt. Der Grund, auf dem sie standen, war ursprünglich bis zur Grundstücksgrenze der Karte jenseits der Bergstraße Gemeinheitsödland und Weide (Hude) gewesen, das Weusthoff und anderen Teilhabern gehörte.

Hiermit ist unser Rundgang durch Altenhöfen beendet. Wir hoffen, dass die vielen Herner, die im Sommer durch Altenhöfen ihren Weg zum Sommerbad nehmen, jetzt den historischen Boden dieses Teiles von Herne mit anderen Augen betrachten als bisher.

Dr. Leo Reiners"

Anmerkungen

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Quelle

  1. Paula Klüsener, Altenhöfener Straße 120. Der Bearbeiter dieses Textes fürs Wiki kannte die alte Dame noch persönlich.
  2. Sonnen-Apotheke.
  3. Ungefähr dort befindet sich heute die Umkleidekabine des BV Herne-Süd gegenüber der einmündung der Jauerstraße.